IIoT-Demonstrator: Austausch von Maschinendaten über Fabrikgrenzen hinweg

© Hahn-Schickard

Im 2. Teil unserer Serie zum IIoT-Demonstrator von Textil vernetzt sprechen wir mit Dr.-Ing. Karl-Peter Fritz von der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e. V. über mögliche Einsatzszenarien des IIoT-Demonstrators für Unternehmen der Textil- und Modeindustrie und welche Rolle das Stuttgarter Team bei dem Projekt übernimmt.

Herr Fritz, Sie bringen gemeinsam mit den Textil vernetzt-Projektpartnern einen IIoT-Demonstrator ans Laufen – ein sehr spannendes Vorhaben. Was ist Ihre ganz spezielle Aufgabe bei der Realisierung des Projekts?

Karl-Peter Fritz: Der IIoT-Demonstrator wird veranschaulichen, wie der Austausch von Maschinendaten über Fabrikgrenzen hinweg möglich ist, beispielsweise zwischen mehreren Standorten eines Unternehmens. Die Aufgabe von Hahn-Schickard besteht dabei in der Bereitstellung der Hard- und Software für die Vernetzung. Das ist zunächst unser Senogate, also ein Sensorknoten, der als Retrofit-Lösung an Maschinen angebaut werden kann und Daten aus der Maschine und auch zusätzliche Sensordaten einsammelt. Und das ist zweitens ein Server mit der dazugehörigen Übermittlungs-Software, um die Daten sicher übers Internet zu übertragen. Ich persönlich kümmere mich um die organisatorische Gesamtkoordination.

Der Demonstrator wird in der Hauptgeschäftsstelle des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Textil vernetzt den Blick auf die Daten aller Maschinenstandorte ermöglichen. Vor welcher Herausforderung stehen Sie aktuell?

Karl-Peter Fritz: Unser wichtigstes Ziel ist es, nicht nur die Technik um der Technik willen zu präsentieren, sondern ein Einsatzszenario zu zeigen, das für Unternehmen der Textilindustrie eine echte Relevanz besitzt. Wir haben uns für das Szenario der verteilten Produktion ein und desselben Artikels an verschiedenen Standorten entschieden. Hierbei kommt es häufig vor, dass Einstellparameter für die Maschinen nicht 1:1 übertragbar sind.

Unsere Herausforderung besteht aktuell darin, die Parameter herauszusuchen, an denen dieses Szenario sehr einfach veranschaulicht werden kann. Dazu stehen die Textil vernetzt-Kollegen aus den Textilinstituten im engen Austausch. Zudem haben wir den Maschinenhersteller, die Firma Stoll, in die Diskussion eng eingebunden.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Was wird das Erfolgsgeheimnis des IIoT-Demonstrators für die Textilbranche sein?

Karl-Peter Fritz: Ich persönlich bin von der ausgewählten Architektur des Datenaustausches fasziniert. Die Lösung besteht darin, dass für jede Maschine und für jeden Standort genau entschieden werden kann, welche aufgenommenen Daten nur lokal ausgewertet werden und welche Daten an die zentrale Instanz weitergeleitet werden. Das ausgewählte MQTT-Protokoll bietet hier eine sichere Möglichkeit, und es gewährleistet außerdem volle Datensouveränität.

In meinen Augen kommt dieser technische Ansatz den Bedürfnissen der Firmen nach Sicherheit sehr entgegen. Und, er bietet den Unternehmen eine einfache Möglichkeit zu mehr Vernetzung, vor allem, wenn die ersten Erfahrungen positiv waren und der tatsächliche Nutzen des Datenaustausches klar geworden ist. Gerade die schrittweise Umsetzung wird sehr gut zum Unternehmensalltag der Textilunternehmen passen.

Was können KMU mithilfe des IIoT-Demonstrators lernen und wie unterstützen Sie die kleinen und mittleren Unternehmen am Schaufenster von Hahn-Schickard dabei?

Karl-Peter Fritz: Wir zeigen einerseits die technische Umsetzung des Datenaustausches als nachrüstbare Retrofit-Lösung. Zum anderen demonstrieren wir, wie die Daten dann zentral aufbereitet, dargestellt und auch analysiert werden können. Alle einzelnen Schritte werden wir mit geeigneten Schulungs- und Transfermaßnahmen für interessierte KMU aufbereiten und zugänglich machen.

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